Kassenverwirrspiele

Christian kommt demnächst in das rechte Alter für die nächste Untersuchung, die U7a. An der Unternummer merkt man, daß es eine nachträglich eingefügte Untersuchung ist – jemand hat gemerkt, daß es keine so gute Idee ist, ein Kind in der wichtigen Phase zwischen 2 und 4 Jahren komplett unbeobachtet zu lassen. Nachträglich eingefügte Untersuchungen werden zunächst mal natürlich nicht von der Krankenkasse bezahlt. Es gibt diese Untersuchung aber zumindest schon seit etlichen Jahren, Lisa hat sie auch schon absolviert. Der Doc sagte uns damals, wir sollten die Rechnung einmal unserer Kasse einreichen, manche Kassen würden sie übernehmen. Unsere nicht. Sie wies jede Idee weit von sich, die U7a sei ja keine „offizielle“ Untersuchung, da könne ja jeder kommen und eine neue erfinden. („Jeder“ ist der Berufsverband der Kinderärzte, aber trotzdem, ja nee, is‘ klar – alle Ärzte sind gierig.)

Erstaunt, aber zumindest angenehm berührt waren wir daher, als wir jetzt einen Brief erhielten, „die Gesundheit von Christian ist uns wichtig“ überschrieben. Das Früherkennungsprogramm wurde „um eine wichtige Untersuchung erweitert“, und diese würden sie jetzt bezahlen.

Nun ist das ja eine gute Nachricht, und sie paßt auch dazu, daß wir insgesamt mit unserer Kasse tadellos zufrieden sind. Sie fällt aber in eine Zeit, in der mir auffällt, wie unser Gesundheitssystem herumeiert, und unsere eigene Krankenkasse mit. Praxisgebühr, „Disease Management“, das Hausarztmodell (vor einem Jahr mit Fanfaren eingeführt, jetzt sang- und klanglos zum „Feldversuch“ abgewertet und wieder eingestellt) und andere Schlagworte kommen in den Focus und verschwinden wieder, Bonuspunkte und „Gesundheitscoaches“ sollen zur Vorsorge animieren, aber einen einfachen Schadenfreiheitsrabatt für Gesunde gibt es nicht. Derweilen werden Arztpraxen und Krankenhäuser durch Darwinismus ausgedünnt; anscheinend haben wir uns zu lange zu viele geleistet und es ist nur legitim, daß es jetzt weniger gibt, aber dann soll man das einmal sagen und welche – peng bumm – schließen, statt am Geldertropf zu drehen und zuzusehen, wie der eine es schafft und der andere elendig verreckt.

Naja, Christian geht also demnächst zur U7a, das wäre auch so geschehen, denn seine Gesundheit ist uns immer noch wichtiger als einem Computer, der Serienbriefe schreibt.

Ein Gedanke zu “Kassenverwirrspiele

  1. Pingback: U7a wird nicht von der Krankekasse bezahlt. Oder doch? Ja jetzt!

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