Familiensteuermann

Sehr geehrter Herr Steinbrück, ich freue mich, berichten zu können, daß mein knapp dreijähriger Sohn vor ein paar Tagen als erstes Familienmitglied seine neue Steuernummer erhalten hat.

Zwei Monate war sie unterwegs, und natürlich hat das damit zu tun, daß sie an unsere alte Adresse geschickt wurde, von der wir vor über sieben Monaten ausgezogen sind – auch unser Nachsendeantrag ist inzwischen abgelaufen. Inzwischen ist mit meiner Nummer auch die eines echten Steuerzahlers eingetrudelt – sie ging einen völlig anderen Postweg durch die Behörden, die anscheinend derzeit mühsam von Hand die Nummern Umgezogener nachsenden, und auch die noch fehlenden Nummern werden sicher peu à peu eintreffen.

Sehr geehrter Herr Steinbrück, 80 Millionen Bürgern eine Nummer zu geben ist ein großes Unterfangen, und mir ist klar, daß dabei auch schon mal was schiefgehen kann, zum Beispiel daß man dem Unternehmen, das die Briefe ausdruckt, eine schon von Anfang an ein Jahr alte Version der Adreßdatenbank gibt. Aber bitte bestellen Sie Ihrem Kabinettskollegen Herrn Schäuble, solange sich der Staat bei der Datenverarbeitung derart ungeschickt anstellt, hätte ich vor seinen Überwachungsplänen, die meine grundgesetzlich garantierten Freiheiten einschränken, schon viel weniger Angst.

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