Stickermanager

Für Christian gibt es derzeit nur einen Lebensmittelpunkt: sein Panini-Album. Gut bespielt und mit viel Tesafilm zusammengehalten, ist es nicht eben ein echter Sammlerstolz, aber der größte Schatz eines Viereinhalbjährigen. Und er ist bemerkenswert weit – er hat eine relle Chance, mit dem Album zum Ende der WM durch zu sein.

Einer der Gründe ist der Stickermanager, eine Online-Tauschbörse, über die man seine unweigerlich aufgehäuften Doubletten tauschen kann. Ein anderer sind die Eltern. Anfangs hat Papi das Amt des Stickerverwalters innegehabt. Dann aber verschob sich die Gewichtung, mit stetig wachsender Begeisterung schaltete sich Mami in die Transaktionen ein. Immer tollkühnere Auswechslungen wurden angeregt und manchmal auch angenommen. Fast täglich kommen Briefe – „sind Briefe da?“ ist denn auch Christians erste Frage nach dem Kindergarten – und das Heft wird gefüllt. Die ersten zwei Mannschaften sind vollständig.  Die gesuchten Sticker der inneren Umschlagseite, die Briefmarke, der Pokal, der Slogan, das Maskottchen sind alle da.

Dabei hilft es nichts, da muß man Marktmacht einsetzen. Ca. 60-70 € muß man für das gefüllte Heft veranschlagen, das muß man vorher wissen. Tauschgeschäfte kosten noch Briefmarken, aber sie machen auch aus sonst wertlosen Doubletten neue Bilder. Erträglicher wird es durch die homöopathischen Dosen, in denen das Geld aus den Taschen tröpfelt, aber trotzdem: mancher dürfte vorher aufgeben, und das finde ich irgendwie schade. Dem Kind „den Spaß gönnen, auch mitzumachen,“ ohne Aussicht auf Vervollständigung, überhaupt ohne Aussicht auf mehr als ein paar Alibibildchen pro Seite, das schlägt als Enttäuschung zurück.

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